Wir gingen morgens ordentlich Einkaufen. Wir waren in Katherine und das ist mehr oder weniger die letzte Stadt vor Alice Springs. Also Nudeln, Dosengerichte und Alkoholika einkaufen, denn alles was ab jetzt nur noch passiert sind steigende Preise (Der Outback-Magnumpreis wanderte von knapp 2 Euro auf gute 3,50 Euro.)


Liquor Stores hatten allerdings vormittags geschlossen, was wir als Outback-Newbies natürlich nicht wussten, also fragte ich einen Einheimischen, wann denn die Bottle Shops öffnen würden und wir bekamen als Antwort zu hören „Hahaha! The whole town will be fucking drunk if they open now“. Wir sollten uns tatsächlich noch bis 14 Uhr gedulden müssen. Das geht in Katherine übrigens ganz einfach. In der ganzen Kleinstadt wird man mit dudeliger Entspannungsmusik à la Supermarkt berieselt. Warum? Keine Ahnung; es muss was mit den Öffnungszeiten von Bottle Shops zu tun haben.




Wir zogen weiter zu den Bitter Springs (120km südlich von Katherine) und badeten mit einer heiteren Truppe von Rentnern. Das Wasser schmeckte tatsächlich bitter, unabhängig vom jeweiligen Publikum, und so hielten wir auf der Weiterfahrt noch bei einem Liquor Shop - sie hatten nun endlich geöffnet.


Der Kauf stellte sich aber als komplizierter heraus als vorerst angenommen. Erik und ich entscheiden uns nämlich für 3 Kubitainer Wein, zwei Flaschen Wein und etwas Whisky. An der Kasse wurden wir dann von der etwas peinlich berührten Kassiererin nach unseren Ausweisen gefragt. Gut, machen wir ja mit. Ich holte meinen Führerschein. Auf halbem Weg sagte sie, dass ich nur einen kaufen könnte. Wir verstanden es nicht ganz und so wurde australisch-freundlich und völlig verständnislos über die ab heute(!) geltende Gesetzeslage hergezogen: Jede Person darf nur einen Weincontainer kaufen, der Rest sei unbegrenzt.


Sofort bot die Australierin hinter uns an, das einfach auf ihren Ausweis zu nehmen. Inzwischen waren Jens und Ramona im Laden und unsere 3 Führerscheine wurden mit neuester Technik eingescannt. 24 Stunden befanden wir uns nun im System des Licensing and Regulation Departments of Justice des Northern Territory‘s. Gut, dass wir mit unserem Einkauf unter einer Gesamtsumme von $100 blieben, sonst wären es drei Jahre gewesen. Auch gut, dass ich nicht mit Alkoholikern unterwegs war, sonst hätte es eine Fehlermeldung beim Kauf gegeben und man hätte uns nichts verkaufen dürfen, so die Erklärungen auf dem „We respect your privacy“-Flyer.


Nächster Stopp war bei einem offiziellen Campingplatz. Um Gottes Willen nicht um dort zu bleiben... wir wollten nur einfach mal eine richtige Dusche nehmen. In der Zwischenzeit kämpfte eine Herde Pfauen um unsere Einkäufe für die abendliche Portion Burritos. Wir haben gewonnen. Großes Dankeschön an Ramona, hat vorzüglich geschmeckt den Abend!




Mit Bohnen und Ei ging es dann am nächsten Tag weiter. Jetzt hieß es erstmal Kilometer wegfahren. Noch vor dem ersten Stop sah ich die einzige Polizei bzw. Geschwindigkeitskontrolle auf der ganzen Tour. Ein knallblauer Polizeiwagen geparkt am Wegesrand eines ewig langen Highways in der Wüste. Wer den übersieht, braucht wirklich eine Pause vom Geradeausfahren.


Daily Waters ist der angeblich älteste Pub Australiens. Dementsprechend auch eine Tourifalle, aber wenn man Sprit braucht, muss man nun mal Tanken. Wir verschwanden als die ersten Busse ihre Kunden dort aussetzten und vergaßen die merkwürdige Dekoration in diesem Pub (Ausweise und Unterwäsche von Backpackern hing und klebte an Wänden, Türen und Decken). Ich weiß gar nicht, warum der Gedanke an einen perversen Serienmörder nicht schon viel früher kam, aber wir zogen einfach weiter und freuten uns über das nächste Verkehrsschild: ein Känguru auf Schiern. Vielleicht zum Wachhalten der Autofahrer!?




Man war nämlich inzwischen wirklich sehr einsam auf der Straße. So einsam, dass die 3-4 Autos Gegenverkehr pro Stunde uns und wir sie immer mit einem freundlichen Daumen-Hoch begrüßten! Es war zeitweise sogar so einsam, dass sich der Dorfhund, der nächsten Tankstellenstadt auf die Straße schleppte und dort so lange ausharrte bis Jens komplett vor ihm parkte. Mit einem „Mist, wieder nicht geklappt“-Blick wurden wir dann gestraft, als der Köter langsam komplett auf die andere Straßenseite weiterzog. Verrückte Gegend!


Da Ramona und Jens gegen 20h aufgrund der Kälte in unsere Deluxe-Zelte verschwanden, machten sich Erik und ich auf eine kleine Nachtwanderung: wir wollten einfach mal einen dieser vielen kleinen Feldwege, auf denen wir immer unser Zelt aufschlagen, bis zum Ende gehen. Das Ende zeigte sich (zum GLück) nach einer guten halben Stunde in Form eines ausgetrockneten Flussbettes. Es war trotzdem aufregend und wir stolperten über 30 Jahre alten Metallschrott und Kuhschädel. (Kühe sah man übrigens auch noch mit Haut inzwischen sehr oft am Straßenrand liegen – vertrocknet)




Mittwoch waren wir dann um 10 Uhr „On the Road“. Es kam auch langsam Routine in den einzigen Teil des Tage, indem man Routine gebrauchen kann: das Aufstehen und Zusammenpacken. Der Morgen begann für mich meistens nämlich wie folgt: *Träum, träum, träum* .... Suuuuuuuuuuup. Raschel-raschel-raschel. Bsiiiiiiiiiiiip. Ramona war als erste aufgestanden und trommelte lautlos alle zum Frühstück zusammen.


Auf der anderen Seite des Camps (1 Meter neben mit) ging es da schon ganz anders zu. Jens meldet sich nämlich dort meistens als erster zu Wort. „Eeeeeerik??“ Erik: „Hmmmmjaaa!“ Jens: „Aufstehen!“ ... *Stille* Jens erneut: „Los, Zelt packen, frühstücken, losfahren!“ Erik: „Man, chill doch mal du Camper-Nazi!!“


Wenn so der Tag beginnt, weiß man, dass man das Richtige getan hat. Denn ich war aufgrund von gutem 5-minütigem Gelache nun auch putzmunter, im wolkenlosen Himmel schien die Sonne wie jeden anderen Tag auch; alles war gut!

 

Montag, 23. Juni 2008

 
 
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