Ramona beschwerte sich am morgen über das Gemuhe der Kühe. Es waren tatsächlich einige Kühe in der Nähe unserer Zelte, die morgens mit Motorädern oder ähnlichem Gerät zusammen oder überhaupt mal getrieben wurden. Wir hatten noch 450 km vor uns zum Ayers Rock oder auch Uluru, wie er seit einigen Jahren nur noch genannt wird (Aborigini-Name).


In Erldunda, also an der Stelle des Highways, wo eine Straße abgeht und eine Tankstelle steht, verließen wir den Steward Highway, um dann die letzten 350 km zum Wahrzeichen Australiens auf dem Lasster Highway zurückzulegen. Und schwupps war er da: der Klumpen. So gedacht. Wir entfernten uns allerdings immer weiter von dem Monolithen und langsam bemerkten wir unseren Irrtum. Es war gar nicht der Uluru, von dem wir schon munter Fotos gemacht hatten, es war ein Berg der ähnlich aussieht und Mount Cooper heißt.




Den Uluru kann man nämlich gar nicht so für lau sehen. Lange bevor man ihn überhaupt hätte erahnen können, erschien auf einmal auf der Straße ein Häuschen. 100 Dollar kostete für uns vier der Eintritt. Erik drehte sofort um. Nach kurzem hin und her, abwägen ob sich zwei von uns in dem ganzen Gerümpel im „Kofferaum“ verstecken oder sich jemand unterm Auto festhalten könnte, wurde dann doch die Mastercard gezückt.


Und da war er nun, der 348 m hohe Eisenklumpen (und weiß Gott wie tief er nach unten geht), der hunderttausende von Besuchern jährlich anzieht. Nur heute waren wir ziemlich alleine da. Auch prima. Es gab einen 9,4 km langen Rundgang, den wir zum größten Teil jedoch gefahren sind. Dann Nahaufnahmen, Fernaufnahmen, mit Person, ohne Person, mit Straße, mit Känguruschild und hier einfach alles auf einmal:




Entgegen den Wünschen der Aboriginies wollten dann Erik und Ramona den Uluru besteigen. Darf man auch, es stürzen auch jedes Jahr ein paar Touristen dabei ab, allerdings war es heute auch von offizieller Seite verboten: zu windig!


Auf dem Rückweg stoppten wir in der „Sunset Viewing Area“. Von hier aus konnte man das Farbenspiel am Uluru bei Sonnenutergang genießen. Zufälligerweise parkten wir auf der Parkbucht von den ca. 30 Busparkplätzen, die dem ersten Touribus zugewiesen war. Eine freundliche Australierin sprang aus dem ersten Tourbus, ca. 30 Asiaten und Europäer starrten aus den Fenstern und wir stellten uns alle in Position um ein Viererfoto von der netten Busfahrerin schießen zu lassen. Voilà!




Im Park durfte man nicht campen, also ging es vorbei am in 50 km Entfernung gelegenen Kata-Tjuta-Gebirge (36 gerundete Hügel, 200 m höher als der Uluru und von Australienkennern eindeutig dem Uluru bevorzugt).


Nachts verbrannte ich wieder die Altkleider der Woche, irgendein misteriöses Fahrzeug strahlte uns an und wir spielten ungestört

Skat. Ramona und ich hatten es langsam begriffen, „ohne 1 Spiel 2 Mal Herz“ und ich habe mal eine Partie gewonnen. So!


Morgens musste erstmal die Schiebetür des unzerstörbaren Toyotas repariert werden. Etwas Geprokel, etwas Sonnenblumenöl, fertig. Einzige Herausforderung waren die manngroßen Emus, die immer etwas grimmig guckten und unseren letzten Proviant gerne vernascht hätten.




Ramonas letzten Tag verbrachten wir im King‘s Canyon. Meiner Einschätzung nach viel schöner als der Uluru. Über die Luritja Road ging es zur millionen Jahre alten Sandsteinschlucht, 270 m hohe Felsen ragen dort nach oben, an dessen Kante man, wenn man denn endlich oben angelangt ist, herantreten kann, um direkt in die Tiefe zu blicken. Sechs Kilometer wanderten wir umher, kreuzten die Wege einer deutschen Abi-Klasse, rasteten in einer Nebenschlucht des Canyons „Garden Eden“ und bereiteten uns zum Abschied Pancakes aus der Flasche.


Dann flitzten wir zurück nach Erldunda, hier sollte nämlich Ramona um 21.30 von einem Bus abgeholt werden, um weiter nach Alice Springs zu fahren und dann am nächsten Tag nach Sydney zu fliegen. Jens schaffte die 300 km bei Nacht (d.h. Tempo 50, da Kängurus ziemlich dumme Verkehrsteilnehmer sind) genau 5 Minuten schneller, als der Bus, der wahrscheinlich vom Uluru losfuhr. Es passte auf jeden Fall wieder wie die Faust auf‘s Auge und sobald Ramona herzlich verabschiedet worden war, stellten wir drei fest: Wir haben nichts mehr zu essen!




Es wurde die letzte Dose aufgemacht, das letzte Toast brüderlich geteilt, die Ekelchips verspeist und als krönenden Abschluss (die Tankstelle hatte noch 3 Minuten geöffnet): Sausage Roll. Eine australische Wurst in Blätterteig, die, wie wir erfuhren, normalerweise um diese Uhrzeit an den Emu hinter der Tanke verfüttert wird: „He must be sick of this stuff!“.


Die Tankstellenwärterin warnte uns dann noch vor der Weiterfahrt bei Nacht: „Watch out for the black cows!“. Jens und ich schauten uns fragend an... Schwarze Kühe? Wieso schwarze Kühe? Hat die da draußen schwarze Kühe ausgesetzt....? Wenn wir da draußen schwarze Kühe vorfinden...


Wir mussten in der Tat den Weg einiger Kühe kreuzen und noch ein Weilchen fahren, um wenigstens mehr Abstand zum Highway zu haben und von den Road Trains durch einen Busch akustisch leicht isoliert zu sein. Die ersten 2.600 km waren geschafft.



29. Juni, Ausblick aus Camp #10 (Männercamp) um 8.38 Uhr

 

Freitag, 27. Juni 2008

 
 
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