Sydney zeigte sich in meinen letzten Tagen noch einmal von seiner Schokoladenseite. Die Jungs waren schon bei Ramona eingekehrt, als ich noch in Brisbane war. Wir trafen uns in Manly, da ich da zum einen noch einen Schlafsack abzugeben hatte, und zum anderen weil Manly einfach nur schön ist.

Wir spazierten an der Küste entlang und wollten für den Rückweg eine andere Route einschlagen. Kurz eine Australierin im Garten gefragt, wie wir am besten wieder nach Manly kämen – sie schaut uns kurz an und sagt: „Ach, kommt her, ich fahre sowieso in die Stadt, steigt bei mir ein!“. So wurden wir drei dann im Lexus 5 Minuten später direkt wieder in der Einkaufszeile abgesetzt.
Abends ging es gemeinssam mit Ramona erstmal ins Orient Hotel in den Rocks, dann in die Star Bar zum Vorglühen, dann weiter in die Three Wise Monkeys auf ein paar überteuerte Biere, aber dafür bei schöner Live Music, und schließlich wurden alle Register gezogen und noch ein Taxi zum Kings Cross bestellt. Dort tourten wir noch durch zwei Clubs.

Den nächsten Tag ein Abschiedsessen in der Stadt mit Yuni und Annie, die sich trotz Bittens und Bettelns auch nicht von mir einladen ließen. Das koreanische Essen war mal wieder lecker, reichlich und eine gute Grundlage für den letzten Abend in Ramonas Traumwohnung am Hafen mit 1A Blick auf meine Heimat seit knapp einem Jahr.
Im Fernsehen lief die Aufzugüberwachungskamera, die irgendwann erst gegen 1 Uhr ihren vollen Unterhaltungswert entfaltete und ich bin irgendwann mit einem Taxi wieder zuhause angekommen. Um 14.30 Uhr am nächsten Tag ging der Flieger und mir ging es einfach nur so schrecklich, wie der Abend zuvor schön war.
Ich regenerierte mich allmählich in einem Flughafen-Restaurant bei Süppchen und steinhartem Brot und ließ die Ansage „We are now boarding the flight to San Francisco“ erstmal an mir vorübergehen. Als dann allerdings nach nicht einmal 5 Minuten ertönte „This is our final boarding call for United Airlines...“ war ich schon recht irritiert. Erst als ich im Flugzeug stand und in eins bis nach hinten zu meinem Platz durchgehen konnte begriff ich: Die Maschine war leer! Jeder hatte ca. 3-4 Sitze nur für sich. Da ging es mir gleich noch mal viel besser.

Und dann war es soweit. Start. Die Sonne schien mit voller Kraft an diesem Donnerstagnachmittag und der Pilot muss eine Extrarunde nur für mich um Sydney geflogen sein – zumindest kam es mir so vor. Denn ich sah alles, wozu ich irgendeine Geschichte oder Beziehung hatte: von Rex‘ Haus, der Train Station zum Flughafen, das QVB (dem Link zur Uni), über das Opernhaus, Darling Harbour mit seinen schönen Kneipen, die Harbour Bridge, Ramonas Appartment in North Sydney, die Anzac Bridge, die Erik und ich überquerten, die Parks am Wasser an denen ich mich von der Wohnungssuche ausruhte, Bondi Beach und den Rest der Küste nach Süden, die ich mit Rex vor einige Monaten noch hinuntergefahren bin.
Irgendwie war alles Schlimme mit einem Mal verschwunden, ich sah einfach nur noch die Schönheit der Stadt von oben, ich vermisste sie und ich wusste, dass ich ein wunderschönes Jahr gehabt habe.


